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zur Geschichte
Turnverein Sayn 1876 e.V.
 
 
© Heimat-Archiv Sayn Peter Siebenmorgen
 
 
Im Jahr 1876 bei der Feier des „Sedans-Fest“ im Sayner Schloßpark haben Richard Krupp (Hotelbesitzer), Johann Peters (Lokomotivführer a.D.), Peter Pütz (Lokomotivführer) und Peter Syhr (Schlosser) die Idee, in Sayn einen Turnverein zu gründen. Alle vier gehören zu dieser Zeit dem Bendorfer Turn-Verein „Germania“ an, wollen ihre Aktivitäten aber in einem eigenen Verein bündeln.
Im Lokal von Richard Krupp trifft man sich am 07.09.1879 und beschliesst die Gründung des Vereins. Der Vorstand setzte sich zusammen aus Peter Syhr (Sprechwart), Julius Schwarz (Turnwart), Jakob Nett (Kassenwart), Peter Drescher (Schriftwart), Wilhelm Münnich (Zeugwart) und Johann Best (Beiwart). Sofort treten fünfundzwanzig Mitglieder ein mit dem Ziel der„Erstrebung körperlicher und geistiger Ertüchtigung“.
Als Satzung wird die des bereits früher bestehenden Sayner Turn-Vereins übernommen (gegründet durch die Generalversammlung am 13.Februar 1870 in Sayn, diese Satzung wird später, am 5. April 1879, auch von einem Mülhofener Verein kopiert). Die vorhandene Satzung findet behördliche Genehmigung nach Aufnahme eines Zusatzes im §1, wonach in den Versammlungen und Zusammenkünften nicht von Politik und öffentlichen Angelegenheiten die Rede sein darf. Zum Winter-Turnen nutzt man den Saal des heutigen „Gasthof Lindenhof“. Die Generalversammlung beschliesst am 6.Januar 1877, dem „Rhein-Mosel-Gau“ beizutreten. Am 17.Februar wird Peter Drescher zum Vorsitzenden des Vereines gewählt, seine bisherige Position übernimmt Mitbegründer Anton Igel. Im April bezieht der Verein sein Sommerlokal bei Richard Krupp. Im Mai erfolgt die Aufnahme in den Gauverband (die früheren Beiträge zum Gau beträgt sieben Pfennige, zum Kreis fünf Pfennige und zur deutschen Turnerschaft drei Pfennige je Vereinsmitglied). Am 6. Juni 1877 wird Franz Schmitt Vereinsmitglied, er turnt auch fünfzig Jahre später noch aktiv mit. Gleichzeitig ist er verantwortlich für viele Initiativen im Turnen, zahlreiche Vereine im Gau verdanken ihm seine Entstehung. Die Beschaffung einer eigenen Fahne wird im September beschlossen, die Weihe findet am 28.April 1878 statt. Die Schärpen stiften die Mitglieder Max Hünermann (Brauereibesitzer) und Richard Krupp. Im Jahr 1878 gewinnt Turnwart Richard Krupp den ersten Preis in Neuwied und den zweiten Preis - ein silbernes Besteck - in Andernach, sowie ein Ehrendiplom anlässlich des in Koblenz stattfindenden großen Turnfestes zum Gedächtnis des hundertsten Geburtstags von „Turnvater Jahn“ am 11.August. Sayn wird beim Gauturntages in Braubach das Gauturnfest für das Jahr 1879 zugesprochen. Dies findet dann im Juli auf dem Friedrichsberg unter Beteiligung von über 500 Turnern und vierzehn Gauvereinen statt. Die Leitung obliegt dem Gauturnwart Müller aus Koblenz. Beim Turnfest wird erstmals die Wettordnung des Mittelrheinkreises angewendet. Den ersten Preis im Einzelturnen erhält Richard Krupp, den zweiten Preis gewinnt Johann Peters. Peter Drescher übernimmt im gleichen Jahr das Amt des Gauschriftwarts.
1880 besucht Richard Krupp das fünfte deutsche Turnfest in Frankfurt und erwirbt aus den Festbeständen ein Saalreck für den Verein. Ab Februar 1887 wird Julius Schwarz Vorsitzender der Turner. Auf Antrag des Turnwarts Schmitt wird für 91 Taler ein Grundstück als Turnplatz erworben. Der Kauf erfolgt durch das Mitglied Christian Gelhard, da der Verein noch nicht eingetragen ist. Die Herrichtungsarbeiten werden von den Mitgliedern erledigt. Im September 1888 wird eine neue Satzung aufgelegt, bearbeitet von Theodor Thielmann. Unter Beteiligung von 225 Turnern findet 1893 eine Gauturnfahrt über die „Hochfläche zwischen dem unteren Sayntal und dem Neuwieder Becken“ im Herbst statt.
1895 beim Gauturntag in Koblenz-Neuendorf wird Sayn für 1896 als Festort ausgewählt. Mit dem 20. Gauturnfest im Jahr 1896 verbindet der Turnverein auch sein 20. Jubiläum. Am 1., 2., und 3. August finden die Feierlichkeiten auf der heutigen „Bleiche“ statt.
Am Samstag startet um 20 Uhr der Festumzug von der „Alten Brauerei“ zum Festplatz, hier erfolgt die Begrüssung und die Übergabe der Festleitung an den Gaurat, der Männergesangverein bringt verschiedene Musikstücke zu Gehör, die Burgen werden hell erleuchtet. Beim sonntäglichen Einzel- und Vereinsturnen treten bei den Freiübungen 350 Turner an, beim Wetturnen in beiden Abteilungen sind es 400. Das Vereinswetturnen zieht 31 Gauvereine (von 70) an. Mittags startet ein imposanter Festzug durch die Straßen des Ortes, angeführt von Jakob Holsinger und Siegmund Jacoby zu Pferde. Es beteiligten sich 63 Vereine. Den Ehren-Ausschuß leiten Direktor Oscar Kroeber, Direktor Otto Eichhoff und Bürgermeister Thomas. Im Haupt-Fest-Ausschuss sind Matthias Metzler (1. Vorsitzender), Rudolf Herzog (2. Vorsitzender), Gustav Brockhoff (Schriftführer), Wilhelm Kirschbaum (2. Schriftführer), August Trülpel, Carl Hünermann, Theodor Hölscher, Dr. Behrendt, Dr. Rosenthal, Carl Osterwald, Georg August Dörr, Peter Hummerich, Franz Schmitt, Richard Krupp, Anton Krupp, Jean Metzler, Wilhelm Fillinger, Gustav Braubach, Johann Kretzer, Alfred Thiele, Johann Schmidt, Heinrich Lehmann und Otto Mayer aktiv. Mit der Ausrichtung des Jubeltums sind auch ein Turn- und Bau-Ausschuss, ein Geld-Ausschuss, ein Wirtschafts-, Ordnungs-, Gesundheits-, Vergnügungs-, Presse- und Wohnungsausschuss beschäftigt. Annähernd hundert Personen sind im Einsatz, um das Fest zu einem vollen Erfolg werden zu lassen. Die meisten schriftlichen Arbeiten liegen in den Händen von Otto Meyer, der bereits in den Jahren 1879-1882 Schriftführer war. Montags findet ein Turngang durch die Berge statt, nachmittags gibt es ein Wettringen und ein Schülerturnen. Am 13.08.1900 richtet der TV Sayn das 24. Gauturnfest in Bendorf mit Turnfahrt zum Friedrichsberg mit über 300 Männern aus. Die 25-Jahr-Feier des Vereins findet am 16., 17., 18.August 1900 statt unter dem ersten Vorsitzenden Hubert Werz. Rudolf Friesner als Gauvorsitzender weiht die neue Vereinsfahne (für 375 Mark von der Bonner Fahnenfabrik). Als Festplatz dient der Schlosshof, es beteiligen sich zirka 70 Vereine des Rhein-Mosel-Gaus. Festredner Rudolf Herzog lässt in seiner Festrede die Geschichte Revue passieren. Am 19.01.1902 wird Franz Schmidt aus Sayn beim 51. Gauturntag in Cochem zum zweiten Gauturnwart gewählt. Aus den Mitgliedern des Turnvereins wird unter Leitung des Dachdeckermeister Jakob Kohns im Jahr 1902 eine Feuerwehr gebildet, die ab März 1904 selbstständig wird. Die Herbst-Gauturnfahrt startet im Oktober 1906 zum gemeinsamen Treffpunkt Sayn, in dieser Zeit nutzt der Verein als Winterübungsraum die Gartenhalle des Hotels „Jägerhof“. Der Verein verkauft im November 1907 die eigene Theaterbühne für 140 Mark an den Katholischen-Gesellen-Verein. Im gleichen Monat wird Mitglied Peter Freund zum Bezirks-Turnwart gewählt. Am 11.April 1908 findet eine Beratung über den Bau einer Turnhalle unter dem Vorsitz von Christian Löhr statt. Fritz Hehl wird im Januar 1910 erster Vorsitzender. Die Planungen seines Vorgängers werden wieder in Angriff genommen und das von Max Krupp entworfene Gesuch an Herrn Krupp von Bohlen und Halbach vom 06.01.1910 findet die Unterstützung amtlicher Stellen und der Krupp’schen Verwaltung. Dem Verein werden im April 4000 Mark zugesagt, „sobald die Aufbringung des Restes der auf 10900 Mark veranschlagten Bausumme von anderer Seite gesichert sein würde“. Nachdem zahlreiche Schritte erfolglos bleiben, springt die Gemeinde ein, die Verhandlungen dauern bis Mitte Februar 1912. Am 01.Juni 1911 erfolgt dann die Einigung, dass der Bau am Hellenpfad entstehen kann, nachdem die Gemeinde zunächst den Platz neben der „Klään Schull“ vorschlägt. Eine weitere Parzelle neben der Turnhalle wird von der Gemeinde erworben. Hierdurch kann ein größerer Vorplatz errichtet werden. Nach der endgültigen Fassung des mit der Gemeinde geschlossenen Vertrages kann der Verein die Halle zu den Baukosten erwerben unter Anrechnung der 4000 Mark von Krupp von Bohlen und Halbach und 1000 Mark Wert der beiden vom Turnverein gestellten Parzellen. Dem Turnverein Sayn steht das alleinige Nutzungsrecht zu. Zur Verfügung gestellt wird die Halle den Gästen des Erholungsheimes, der Firma Friedrich Krupp und den Schulen.
Im April 1912 gibt der Bürgermeister die Genehmigung, für die Dauer der Hallenbauarbeiten den Platz neben der „Klään Schull“ zu nutzen. Bereits zwei Monate später werden erste Schritte eingeleitet, um die Pachtung und Einebnung des neben der Halle gelegenen fürstlichen Steinbruches zu erreichen. Es wird ein Vertrag mit der Fürstlichen Verwaltung geschlossen, der eine Pachtung von dreissig Jahren vorsieht. Am 30. Juni 1912 findet im Rohbau die erste Tagung statt, es handelt sich um die Generalversammlung des Westerwaldvereines anlässlich des Westerwaldfestes in Sayn mit anschließender Einweihung des Römerturmes auf dem Pulverberg.
Am 08 September 1912 ist es dann soweit: die Einweihung der Turnhalle auf dem Hellenpfad wird gefeiert. Es regnet unaufhörlich, daher fallen die geplanten Freiübungen aus. Die Begrüssung übernimmt Festvorsitzender Direktor Karthäuser, anschliessend übergibt der Gemeindevorsteher Merl dem Verein die Turnhalle zur Nutzung. Gauratsmitglied Rost überbringt die Glückwünsche des Gaus und der Gesellenverein Sayn übergibt eine Jahn-Büste.
Am St. Martinstag des gleichen Jahres findet auf Veranlassung des Turnverein in Sayns der erste Kinder-Martins-Fackelzug statt. Grund ist der Wegfall des Steinbruches als bisheriger Platz für das Martinsfeuer. Im November folgt die Beschlußfassung, den Verein eintragen zu lassen, dies erfolgt dann Anfang 1913 mit neuem Vorstand. Direkt neben dem „Spitzchen“ wird ein Sportplatz angelegt. Für die neue Halle kauft der Verein bei der Firma Dolffs & Hell in Braunschweig ein Saalreck, einen Barren und ein Pferd. Die hierfür angefallenen Kosten in Höhe von 350 Mark werden von den aktiven und inaktiven Mitgliedern aufgebracht. Fürst zu Sayn stiftete ein Reckgerüst und die Direktion der Concordia-Hütte zwei große Öfen für die Halle. Anläßlich des Regierungsjubiläums zeigt eine Musterriege des Vereins im Juni 1913 ihre Leistungen im Gartensaal des Gasthauses Holler. Im Folgemonat beschließen die Turner, den Steinbruch selbst zu Ende abzubrechen, nachdem die Arbeiten zu einem festen Betrag an einen Unternehmer übertragen wurden, dieser aber Nachforderungen stellte. Der Verein konnte die nach langen Verhandlungen auf 1000 Mark festgelegte Summe nur durch Aufnahme eines Darlehns begleichen. Die hinter der Halle vorhandene Lehmwand wird abgetragen und dadurch ein grösserer Freiplatz geschaffen. Die Arbeiten beginnen nach längeren Verhandlungen mit der Bahnmeisterei Sayn. Am Jahresende beträgt die Mitgliederzahl 155 Personen, die Einnahmen belaufen sich auf 1919 Mark und die Ausgaben auf 1912. Beim Krahnenbergfest erringt Willi Krupp den 10. und Paul Holler den 32. Preis, beim Gaufest in Grenzhausen erhält die Vereinsriege das Prädikat „Sehr gut“. Im Sonderturnen gewinnt Willi Krupp den 10. Preis in der Oberstufe, Anton Kemp den 13. und Karl Rudlich den 23. Preis in der Unterstufe. Es wird wiederum eine neue Satzung erlassen.
Am 22.März 1914 wird unter der Regie von Karl Igel das Theaterstück „Leier und Schwert“ mit Willi Rudisch in der Hauptrolle aufgeführt, es wird acht Tage später nochmals wiederholt. Es war ein großer Erfolg; die Aufführung hat das Ziel, Geld für die Vereinskasse zu erzielen. Im Jahr 1924 bemüht sich der Vorstand um das Gaufest für das Jahr 1916.
Mit Ausbruch des Weltkrieges wird die Turnhalle für Einquartierungen genutzt. Im ersten Kriegsmonat werden 33 Mitglieder zum Heer eingezogen. Am 10. September 1914 fällt Turnwart Paul Holler im Krieg. Im Mai 1915 kann die Halle wieder für den Turnbetrieb genutzt werden. Am 11. Juli 1915 findet ein „Zöglingsturnen“ des Bezirks in Sayn statt, an 85 Mitturnende werden 50 Preise vergeben, davon acht an Sayner. Genau ein Jahr später werden beim Gaujugendturnen auf dem Krahnenberg sechs Jungen aus Sayn mit Preisen ausgezeichnet. Im November 1916 versterben Josef Merl, der Erbauer der Turnhalle, und der erste Schriftführer Heinrich Görgen. Die Turnhalle erhält elektrische Beleuchtung, die Kosten teilen sich hälftig der Verein und die Gemeinde. Für die Dauer der Arbeitszeit werden die Turngeräte im Spritzenhaus des Löschzuges verwahrt. 1917 erringt die Jugend-Fussballmannschaft den ersten Preis des Landkreises Koblenz. Im Februar 1919 wird eine Begrüssungsfeier für heimgekehrte Kriegsteilnehmer ausgerichtet, Ende des Jahres konnten die letzten kriegsgefangenen Vereinsmitglieder willkommen geheissen werden, fünfzehn Mitglieder fallen von 80 in den Krieg Gezogenen .Im Juni wird die Halle wieder frei von amerikanischer Besatzung und die Einrichtung wird notdürftig wieder hergestellt. Mit einer turnerischen Darbietung stellt man sich am 26.Oktober 1919 wieder der Öffentlichkeit vor. Direktor Karthäuser der Sayner Hütte stiftet als Wanderpreis eine Kunstgussbüste. Wer den Preis drei mal nach Gang gewinnt, soll ihn behalten. Am 14.12.1919 wird dem Verein eine Fussballriege mit dem Spielführer Karl Jackel angegliedert. Der Verein zählt nun 33 inaktive, 114 aktive und 15 jugendliche Mitglieder. Reinhard Thielmann erringt in der Oberstufe der Jugendlichen den ersten Preis in Immendorf, auf dem Kreisspieltag in Heddesdorf im Juli 1920 erreicht er den 2. Preis im 400-Meter-Lauf und den 3. Preis im Fünf-Kilometer-Lauf. Mitte 1920 wird der Anbau eines Versammlungszimmers mit Abortanlage und Wohnung eines Aufsehers beschlossen. Beim Gaufest in Oberlahnstein wird die unter Leitung von Karl Ferber stehende Musterriege am Barren mit „Sehr gut“ ausgezeichnet und sechs Einzelturner erhalten ebenfalls diese Note. Fritz Hehl wird im Oktober zum Ehrenturnwart ernannt. Im Winter 1920 wird die Turnhalle wieder von Besatzungstruppen belegt. Der Verein überlegt ein Jahr später, die Turnhalle zu erwerben. Beim Gauturnfest in Engers erhält die unter Leitung von Turnwart Josef Saxer stehende Musterriege am Barren in Verbindung mit vorausgegangenen Freiübungen die Wertung „vorzüglich“. Im Einzelturnen siegen Fritz Schrägle, Theo Hahn, J. Dämgen, Paul Thewald und Josef Krupp. Am 31.07.1921 ehrt der Verein seine Toten des ersten Weltkrieges durch Enthüllung einer Gedenktafel mit Fotos der Gefallenen. Der Männergesangverein umrahmt den Gedenksonntag. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden Fritz Hehl hält Assesor Löcher die tiefempfundene Gedächtnisrede. Die Namen der Gefallenen: Gerhard Esser, Hermann Fritsche, Christian Girmscheid, Max Görg, Johann Hahn, Rudolf Hahn, Paul Holler, Josef Krupp, Richard Krupp, Theo Löcher, Heinrich Nieth, Josef Opp, Karl Pabst, Karl Rudisch und Josef Thewald. Franz Bernardi zeichnet 1922 einen Plan für einen Anbau an die Turnhalle. Trotz Inflation und Dank der Hilfe durch die Hüttenwerke, dem Fabrikant Over und die tatkräftige Mitarbeit der Mitglieder findet auch dieses Vorhaben seinen guten Abschluss. Eine Gauratssitzung wird abgehalten, verbunden mit der Überreichung eines Ehrenbriefes an Richard Krupp sen. Anfang März 1923 kann die erste Versammlung im neuen Vereinszimmer der Turnhalle stattfinden. Im April wird ein Vertrag zwischen dem TV Sayn und Turner Josef Düring unterzeichnet. Herr Düring mietet eine Zweizimmerwohnung in der Turnhalle, was einige Pflichten, wie Putzen, Kehren etc. beinhaltet. Im Winter ist zwei Stunden vor Turnbetrieb zu heizen, es ist auch Inventarpflege zu betreiben. Im Juni wird ein neuer Weg zum Turnplatz gebaut, er führt an der westlichen Seite des Platzes vorbei und wird durch die Abtragung des Hellenpfads erforderlich. Am 10.08.1923 steigen im Nachzug der Inflation die Beitragssätze ständig und werden dann als vierteljährlicher Betrag in Höhe eines „Glas Bier“ festgesetzt. Bei einer Jubelfeier im Hotel Krupp wird der Verein vom Vorsitzenden des Gau als Musterverein geschildert, der es versteht, „das Alter zu ehren und das junge Blut herzerfrischend zu erwärmen und anzueifern“. Im Januar 1924 wird der Vereinsbeitrag wieder auf die Summe vor der Inflation festgelegt. Bei der Bezirksversammlung in Vallendar wird das Bezirkssportfest an Sayn übertragen. Der Fachausschuss wählt als Austragungsort den Spielplatz am früheren Steinbruch. Das Sportfest findet mit 170 Turnern am 1.Juni 1924 statt. An den eigenen Verein fallen acht Preise. Der Verein beschliesst, sich anläßlich des 50. Jubiläums 1926 um das Gaufest zu bewerben. Als Vertreter wurden gewählt: die Mitglieder Richard Krupp, Hauptlehrer Löcher und Fritz Hehl. Für das große Fest wird der Schlosspark vorgesehen, der Fürst stellt diesen auf Antrag zur Verfügung. Doch das Gaufest wird an Selters vergeben. Am 25.Oktober 1925 findet das Gau-Jugendtreffen des Rhein-Mosel-Gaus auf Burg Sayn mit 500 Teilnehmern im Anschluss an eine Wanderung statt.
Ein „Eltern-Abend“ wird am Nikolaustag im Hotel Krupp abgehalten. Gaujugendwart Müller hält einen längeren Vortrag über Jugendpflege. Schülerinnen und Schüler zeigen turnerische Vorführungen. Der Turnverein tritt dem Verschönerungsverein als körperschaftliches Mitglied bei. Im Mai 1926 erringt Willi Krupp den ersten Preis im Dreikampf bei Krahnenbergfest. Im Juni findet das Gaujugendturnfest in Sayn statt, am Vorabend trifft man sich an der Turnhalle zu einer Sonnenwendefeier, wo bei loderndem Feuer Reigen, Singspiele und Freiübungen veranstaltet werden.
Zum 50. Vereinsjubiläum gibt es am 17.07.1926 einen Fest-Kommers im Gartensaal des Hotels „Friedrichsberg“ mit Festreden, Jubilarehrungen und turnerischen Vorführungen. In der Reckriege turnen die Sayner Turner Josef Saxer, Reinhard Thielmann, Paul Thewald und Jakob Krupp. Der Ehrenbrief der Deutschen Turnerschaft wird an Franz Schmidt für Treue und Einsatz überreicht. Es gibt einen gemeinsamen Kirchgang, ein Konzert auf dem Festplatz im Schloßpark und einen großen Festzug.     
Eine besondere Überraschung ist 1926 die Stiftung eines Vereinsliedes für den Sayner Turnverein durch den Turn-Verein Essen-Holterhausen. Im August wird beim Gaufest in Selters die Vereinsriege „Barren“ mit gut bewertet. Im Oktober findet das Sommerschlußturnen mit gemütlichem Abend statt. Aufgrund der allgemeinen Notlage sieht man von allen weiteren Veranstaltungen, insbesondere des Maskenballes während der Karnevalszeit, ab. Beim Gaujugendtreffen im Juni 1927 in Sayn beteiligt sich die gesamte Sayner Jugendabteilung und belegt den ersten Platz. Der Preis war ein Bild des Turnvaters Jahn. Mit turnerischen Darbietungen unterhalten die Turner im Oktober beim Kommers des Sayner Männergesangverein, ebenso beim 20jährigen Stiftungsfest des Sayner Radfahrvereins.
Im Juli 1928 folgt die Teilnahme am großen Deutschen Turnfest in Köln, ein „Höhepunkt im Vereinsleben des Turnvereins“. Ehrgeizig bereiten sich einige Turner aus dem Sayner Verein vor für die Teilnahme. Die Barrenriege, mit dem Vorsitzenden Johann Nett an der Spitze, Riegenführer Willi Rudisch, 2. Oberstufenturner Josef Saxer und Paul Thewald, Josef Halm in der Mittelstufe, Anton Kemp und Reinhard Thielmann und in der Unterstufe Fritz Bernardi, Peter Werz und Willi Thewald, geht an den Start. Die Übungen werden bei strömendem Regen dem Wertungsrichter im Stadion vorgeführt. Weiter geht es bei den Freiübungen des Kreises. Schließlich erreicht man mit 49 Punkten das Prädikat „gut“ (2. Stelle im Gau und 6. Stelle im Kreis). Der Jugendturnwart legt bedauernswerterweise im Juli seine Tätigkeit nieder, da er bei den Behörden immer auf Schwierigkeiten bei seinen Bemühungen um die Jugend und bei diesen Nachlassen des Eifers erfährt; keine guten Voraussetzungen für das Jahr 1929. Der zweite Turnwart, Reinhard Thielmann, beginnt mit sechs Zöglingen, deren Zahl sich im laufenden Jahr verdoppelt. Diese Gruppe allein hält den Turnbetrieb aufrecht. Die zunehmende Armut lähmt jeden Idealismus. Es gibt keinerlei turnerische Wettkämpfe, beim Gauturnfest nimmt man nur am Festzug teil. Den Gauvertretertag in Vallendar besuchen der Vorsitzende Johann Nett und der Kassierer Anton Kemp. Eine Keulenschwingergruppe wird neu gegründet, ein kleiner Auftrieb. Diese Riege nimmt mit elektrisch beleuchteten Keulen am Stiftungsfest des kameradschaftlichen Kriegervereines teil. Im Herbst findet ein Bezirkstag im Hotel „Jägerhof“ in Sayn mit sehr guter Beteiligung statt. Hubert Werz, Fritz Hehl, Christian Löhr und Fritz Schmitt werden mit dem Gauehrenbrief ausgezeichnet. Im Juni 1930 nehmen ein Turner, fünf Zöglinge und zwölf Schüler am Bezirks-Turn- und Sportfest in Bendorf teil. Als Kampfrichter fungieren hier Anton Kemp, Willi Rudisch und Reinhard Thielmann aus Sayn. Anlässlich eines Festkommers des 25jährigen Bestehens der Sayner freiwilligen Feuerwehr erntet die Keulenschwingergruppe unter Turnwart Thielmann reichen Beifall, ebenso beim Kommersabend des Bendorfer Bezirksfests.
1931 ist der Fastnachtsdienstagsmaskenball sehr gut besucht. Einige Turner nehmen an der Bezirkswanderung zur Humboldthöhe in Vallendar teil. Am Bezirksturnfest nimmt die Fahnenabteilung und eine Schar von Zöglingen teil, diese kehren preisgekrönt nach Hause zurück.
Am 14. März 1931 wird eine Schwimmabteilung gegründet, da das Sayner Schwimmbad in der Entstehung sehr weit fortgeschritten ist - fast alle Turner werden Mitglied dieser neuen Riege. Zu Schwimmwarten werden die Turner Thewald und Bernardi gewählt, Ehrenturnwart Fritz Hehl erklärt sich freiwillig zur Unterstützung der Schwimmwarte bereit. Am 02. Oktober 1931 wird bei der Generalversammlung des Turnvereins eine Satzungsänderung beschlossen und beim Amtsgericht eingetragen: künftig sind der 1. Vorsitzende und der 1. Kassierer alleine zeichnungsberechtigt für den Verein. Sie werden daher nun für je drei Jahre gewählt. Bestätigt werden Johann Nett als Vorsitzender und Anton Kemp als Kassierer. 1932 steht die Arbeit der Schwimmriege im Vordergrund. Das Gauschwimmfest wird Sayn zugesprochen und findet im neuen Bad am 10.Juli statt, die Zahl der jungen Schwimmer nimmt zu. Wöchentlich gibt es zwei Übungsstunden im Bad, neben den Schwimmarten wird Tiefentauchen, Streckentauchen und Springen geübt. Beim Gauschwimmfest erringt die Sayner Riege den dritten Preis im Staffelschwimmen 4 x 50 m Brustschwimmen. Beim Springwettkampf erhält Karl Hermann den 4. und Fritz Schrägle den 5. Preis. Im 20 m-Streckentauchen geht Jakob Thelen als Erster hervor, ebenso beim 50 m-Brustschwimmen, bei 50 m-Rückenschwimmen erhält er den zweiten Preis. Beim Grenzhausener Schwimmfest erreicht die Sayner Schwimmriege den Wanderpreis in der Landesklasse. Unter Sportwart Fritz Nett wird eine Handballriege gegründet, um die schlechte Lage des Vereines abzuwenden. Es wird wöchentlich geübt und es gibt einige Spiele gegen benachbarte Vereine.
Im Mai 1933 folgt eine Generalversammlung, bei der die „Gleichschaltung“ vorgenommen werden soll. Fünfzehn Mitglieder sind anwesend. Johann Nett legt den Vorsitz nieder und es wird nach Ersatz gesucht, der möglichst auch Parteimitglied sein soll. Schließlich findet sich Reinhard Thielmann bereit. Er ernennt anstelle des Vorstandes einen Turnrat aus den Reihen der Turner mit Handschlag. Der Versammlungsraum ist in den Reichsfarben geschmückt, ein Bild Hitlers wird neben dem Jahns aufgehangen und die Gedenktafel der im Weltkriege gefallenen Turner mit Lorbeer umrahmt. Nett verspricht weiterhin treue Mitarbeit für die Turnsache. Das Deutschlandlied erklingt. Thielmann dankt dem alten Vorstand. Er legt sein Treuegelöbnis ab und setzt den alten parlamentarischen Grundsatz ausser Kraft. Trotz seiner Bemühungen geht der Turnbetrieb immer mehr zurück. Neben Leichtathletik als Vorübungen zum Wehrsport und dem allgemeinen Geräte- und Freiübungsturnen wird besonderer Wert auf das Gemeinschaftsturnen gelegt. Die Turnstunden können dann nicht mehr regelmässig abgehalten werden, der zweite Turnwart Emil Dämgen ist durch seinen Beruf häufig verhindert und mußss schliesslich seine Initiativen aufgeben. Der lange gehegte Wunsch, das Deutsche Turnfest in Stuttgart im Juli 1933 zu besuchen, muss leider aufgegeben werden. Beim Bezirksschwimmfest im Juli beteiligt sich der Verein aktiv und wird zweiter Sieger bei der 3 x 50 Meter Brust-Staffel der Turnerjugend. Das Schwimmfest findet im Freibad in Sayn bei schlechtem Wetter statt. Im laufenden Jahr muss der Turnbetrieb mangels Beteiligung der Mitglieder komplett eingestellt werden. Die Turnhalle auf dem Hellenpfad wird auf Drängen der Partei den nationalsozialistischen Jugendorganisationen als Heim bereitgestellt.
Die Mitgliederliste vom 01.01.193 4: es sind nur noch 18 Mitglieder: Anton Becker, Gustav Braubach, Josef Düring, Karl Ferber, Reinhold Gelhard, Emil Holler, Wilhelm Holsinger, Adolf Hünermann, Georg Hünermann, Max Hünermann, Anton Kemp, Richard Kreutz, Johann Jos. Krupp, Johann Nett, Wilhelm Rudisch, Josef Saxer, Willi Thewald und Reinhard Thielmann. Die Beiträge werden trotz der schlechten Situation noch erhöht - von noch 50 Mitgliedern treten 32 aus dem Verein aus. Die meisten Mitglieder des Turnrates erscheinen nicht mehr. Auch die älteren Mitglieder, die sonst noch treu zum Verein standen, lassen sich in keine Ämter wählen.
Der Turnverein richtet ein Schreiben an den Bürgermeister mit der Bitte, den Verein von den Wassergeldrechnungen für die Turnhalle zu entlasten, da nach dem Vertrag zwischen Stadt und Verein die Stadt für die Unterhaltung zuständig ist. Schliesslich hat der Verein nur noch zwölf Mitglieder. Es wird überlegt, wie der Turnverein wieder aktiviert werden kann. Am 12. Februar 1935 findet die Jahreshauptversammlung des Turnvereins im Vereinszimmer der Turnhalle statt. Erschienen sind neben Richard Thielmann Jos. Düring, Anton Kemp, Richard Kreutz und Johann Nett. Der Beitrag wird stark reduziert auf 0,50 RM im Monat, ein Versuch für neue Mitgliederwerbung. Der Kassenstand beträgt nur RM 30,37. Der erste Vorsitzende wird einstimmig wiedergewählt, sein Stellvertreter und Schriftwart wird Johann Nett, zum Kassenwart wählt man Willi Holsinger und zum Oberturnwart Karl Ferber. Eine neue Einheitssatzung wird von der Mitgliederversammlung ohne Gegenstimme angenommen. Am 23.02.1935 zählt der Verein noch 16 Mitglieder, vier sind nach Senkung des Beitrages wieder eingetreten. Der Verein meldet sechs Ehrenmitglieder an den Leiter der Deutschen Turnerschaft: Franz Schmidt, Inhaber des DT-Ehrenbriefes (über 70 Jahre alt), Fritz Hehn, Inhaber des Gau- und Kreis Ehrenbriefes, Christian Löhr, Inhaber des Gau-Ehrenbriefes (über 70 Jahre alt), Johann Bongard, altbewährter Turner (fast 80 Jahre alt), Peter Priesterberg, treuer Turner (fast 70 Jahre alt) und Anton Igel, Mitbegründer des Vereines. Laut bestehendem Vertrag mit der Gemeinde ist diese für die Instandhaltung der Turnhalle verantwortlich, daher tritt der Verein mit folgenden Bitten per Brief an den Bürgermeister der Gemeinde heran: das Ölen des Hallenbodens, da dieser außerordentlich ausgetrocknet ist und der Splitterung vorgebeugt werden soll, die Instandsetzung der Abortanlage - hier ist ein neuer Reservebehälter für die Wasserspülung erforderlich, nachdem der alte Behälter durchgerostet war - und die Instandsetzung der Fensterscheiben, eine Rechnung des Schreinermeisters W. Zänkert muss noch beglichen werden. Am 16. April findet die zweite Hauptversammlung des Turnvereines im Vereinszimmer statt. Anwesend ist nur ein kleiner Teil der Mitglieder mit den Turnern Jos. Düring, Richard Kreutz, Emil Dämgen, Karl Nett und Reinhard Thielmann. Willi Thewald wird von der Versammlung zum Schwimmwart ernannt, Josef Düring zum Zeugwart und 2. Kassenwart. Richard Kreutz wird 1. Turnwart, Emil Dämgen 2. Turnwart, das Turnen soll ab 7.Mai immer Dienstags wieder aufgenommen werden. Der Beitrag für die „Zöglinge“ wird auf 20 Pfennige je Monat festgelegt, das Eintrittsgeld für aktive Turner auf 50 Pfennige. Die Jahreshauptversammlung am 08.Januar 1939 im „Lindenhof“ hat nur einen Tagesordnungspunkt „Beschlussfassung über das Weiterbestehen des Vereins“. Ein Vertrag der Stadt mit Schuhmachermeister Heinrich Breuer datiert auf den 24.07.1946. Breuer pachtet die Turnhalle und übernimmt die Reparatur der Kriegsschäden (der Aufwand wird mit der Monatsmiete verrechnet). Die Pachtzeit dauert 10 Jahre, monatlich müssen 50 Reichsmark gezahlt werden. Im April 1953 findet die erste Generalversammlung nach Unterbrechung im „Gasthof Peter Siebert“ statt. Der Ehrenvorsitzende Fritz Hehl kann 16 Mitglieder begrüssen. Gewählt wird Johann Nett als erster Vorsitzender. Der weitere Vorstand: Turnwart Karl Ferber, Kassierer Willi Holsinger, Schriftführer Willy Lay, Jugendturnwart Willi Thewald, Zeugwart Matthias Sander, Spielwart Hans Gropp, Fähnrich Josef Böckling, Frauenturnwart Erna Just. Geturnt werden kann aber vorerst nicht, da die Stadt die Turnhalle vermietet hat. Die Räumung soll zugunsten des Vereines erzwungen werden. Doch vorab werden die noch vorhandenen Geräte instand gesetzt, geturnt wird im großen Saal des Hotel Krupp. Der Verein beschliesst, die weibliche Jugend für die Turnsache zu gewinnen. Unter der Leitung von Lydia Klein wird eine Damenabteilung gegründet, die bald fünfzehn Mitglieder zählt. Diese tritt erstmals mit Keulenschwingen beim Festkommers anlässlich des 110jährigen Bestehens der Sayner Schützengesellschaft an die Öffentlichkeit und erhält grossen Beifall. Am Himmelfahrtstag 1953 startet der Turnverein zu einer ersten Wanderung mit dem Spielmannszug zum „Meisenhof“. Gottlob gibt dies einen erfreulichen Auftrieb im Verein. Die Turnstunden werden wieder von 30-35 Aktiven besucht, die Leitung haben die Turnwarte Paul Thewald und Karl Ferber, die aufgrund ihrer Verdienste zu Oberturnwarten ernannt werden. Die erste Nachkriegsveranstaltung ist das Sommerschlussturnen im Oktober. Sogar der erste Vorsitzende des Landes-Turnverbandes,                    Studienrat Müller aus Montabaur, ist zu Gast. Die Übungsstunden wechseln in den Saal des „Lindenhof“, hier lässt der Turnverein durch die Fa. Carl Ferber Elektro aus Sayn einen Zwischenzähler einbauen. Im Juni wird ein gebrauchtes Turnpferd gekauft von der Firma Turngeräte Karl Schröder aus Köln-Kalk, die Möbelschreinerei Fritz Siebenmorgen aus Sayn berechnet für ein Sprungbrett 160 cm x 72 aus Esche DM 32,00. Der Verein ist im Folgejahr wieder in der Lage, einige Vertreter zum Gauturnfest nach Niederberg zu entsenden. Matthias Sander gewinnt den ersten Preis, Paul Thewald folgt ihm und Berthold Nett erringt den 4. Platz; beim erstmals durchgeführten Kinderturnfest in Arzheim erringt das jüngste TV-Sayn-Mitglied den Sieg. Acht Sayner Teilnehmer gehen als Gewinner des Kindergaufests im Juni 1955 in Urbar hervor, davon Winfried Dietz als Dritter, Manfred Heuchemer als 4. und Erich Best als 7. Im Juli kommt Karl Reith als 3., Manfred Maxein als 15. und Anton Volk als 22. vom Gauturnfest aus Rübenach nach Hause. Die sechzehnköpfige „Pferderiege“ unter Leitung von Paul Thewald bekommt das Prädikat „Sehr gut“. Zwischen dem Gastwirt Fritz Böckling und dem Turnverein wird am 1. August eine Vereinbarung getroffen, die besagt, dass dem TV Sayn die Halle auf dem Grundstück des Herrn Böckling, Weiser Straße 12, auf unbestimmte Zeit zur Verfügung gestellt wird, sie wird gemeinsam instand gesetzt für den Turnbetrieb. Die Ausführung der Arbeiten leitet Oberturnwart Karl Ferber. Wiederum gibt es eine Spende der Concordiahütte, Direktor Hollmann stiftet einen Ofen, damit der Turnbetrieb auch im Winter erfolgen kann. Bürgermeister Bauer setzt sich für DM 300 als Zuschuss ein, der auch gewährt wird. Der Behelfsturnraum wird im September 1955 unter reger Teilnahme der Bürger eingeweiht mit einem grossen turnerischen Programm. Karl Ferber wird am 6.Oktober für seine unermüdlichen Verdienste geehrt. Ende des Jahres zählt der Verein wieder 94 zahlende Mitglieder. Im Februar 1956 wird der komplette Vorstand wiedergewählt. Johann Nett, seit 30 Jahren Vorsitzender, wird besonders geehrt. Es wird beschlossen, das 80. Jubiläum am 8.September zu feiern. Aus den Turnern Nett, Holsinger, Siebert, Theis, Greve und Rudisch bildet man eine Kommission, die das Fest vorbereitet. Zum Jubeltum findet der Festkommers am 08.September im Saalbau Krupp statt. Nach einem Musikstück des Musikverein Stromberg marschieren die Turnerinnen und Turner ein, der 1. Vorsitzende begrüsst die Gäste und leitet über zur Ansprache des Protektors Prinz Ludwig zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Der MGV 1862 Sayn unterhält musikalisch und Bürgermeister Bauer hält eine Festrede. Zahlreiche Turndarbietungen folgen. Nach dem Kirchgang folgt der Festzug durch Sayn zum Schwimmbad, abends spielt der Sayner Spielmannszug den großen Zapfenstreich mit dem Musikverein Stromberg. Im gleichen Jahr kann ein Olympia- und Wettkampf-Turnpferd von der Firma Turnmeyer-Werke in Hagen/Westfalen nach einem Landesturnfest in Kirn günstig erworben werden.
1957 soll die Turnhalle wieder für den Turnbetrieb geöffnet werden, ein Gerichtsbeschluss macht jedoch eine Strich durch diese Rechnung. Die Stadt Bendorf verspricht, eine neue Halle zu bauen, Ende des Jahres wird damit begonnen. Im März 1957 marschieren die Jugendturner unter Leitung von Paul Thewald zu den Gaubestenkämpfen nach Wallersheim. In der Landesklasse Jugendturner Sechskampf erringen Winfried Dietz mit 54,3 Punkten den 2. und Karl Reith mit 54,1 Punkten den 3. Platz. Bei den Mannschaftskämpfen erzielten die Jugendturner in Klasse A den 1. Platz mit 214,25 Punkten und in Klasse B den 3. Platz mit 130,05 Punkten. Zum 60. Geburtstag des 1. Vorsitzenden im April - der seit 30 Jahren den Vorsitz inne hat - gratuliert der Verein mit einer turnerischen Ovation. Beim Gauturnfest in Winningen im Juli bekommen die Sayner die Note „vorzüglich“. Beim Gerätewettkampf des TUS Horchheim gegen den TV Sayn im März 1958 in Horchheim: Sayn erreicht den 2. Platz mit 268,80 Punkten. Am 18.Mai beim Carl-Friesenhahn-Gedächtnisturnen in Koblenz-Lützel wird die Jugendturnmannschaft Sieger mit 131,30 Punkten und gleichzeitig Gewinner des Wanderpreises. Beim Bezirksturnfest auf der Festung Ehrenbreitstein im Juni wird der TV Sayn mit 54,65 Punkten Sieger im Deutschen Vereinsturnen, die Jugendturnerin Inge Schneider wird dritte Gewinnerin beim Gaufest im Fünfkampf mit 39,20 Punkten. Am 27.Juli fahren 20 Aktive zum Deutschen Turnfest nach München - unterstützt durch einen kleinen Beitrag in Höhe von 50 D-Mark pro Teilnehmer des Vereins. Der TV Sayn, innerhalb des Gau Mittelrhein als aktivster Verein bekannt, ist auserwählt, das Gaubanner zu präsentieren, eine Aufgabe, die mit Stolz erfüllt wird. Erreicht werden hervorragende Plazierungen. Der TV Sayn erhält im Vereinsturnen in der Klasse D mit 12 Teilnehmern die Note „Sehr gut“. Bei der Rückkehr nach Sayn erwartet eine treue Fangemeinde die Akteure. Am 19.Oktober feiert der Turnverein Essen-Holsterhausen sein 65jähriges Stiftungsfest im dortigen Saalbau. 1. Vorsitzender Johann Nett und Oberturnwart Paul Thewald überreichen ein Kunstgussbild mit Rahmen, das die Concordiahütte gestiftet hat, 41 Personen fahren mit zu dieser Veranstaltung. Die Übergabe der „neuen“ Turnhalle erfolgt am 4.Dezmber durch Bürgermeister Bauer in feierlichem Rahmen. Die Turner präsentieren Darbietungen aus allen Abteilungen. Das Jahr schliesst mit der Nikolausfeier in der Turnhalle. In 1959 steigt die Mitgliederzahl weiter an. Dreizehn Titel können bei den ersten Bendorfer Stadtmeisterschaften errungen werden, auch beim Gaukinderturnfest werden gute Erfolge erzielt. Eine Bestandserhebung des Deutschen Turnerbundes am 01.12.1959 sagt aus: zugehörig zum Turngau Rhein-Mosel, Landesturnverband Mittelrhein, Gesamtmitgliederzahl: 179, aktiv im Geräteturnen: 113, aktiv in Leichtathletik: 41, aktiv in Gymnastik: 77, aktiv in Turnspielen: 105, aktiv im Schwimmen: 83, aktiv im Vorstand: 12 (ehrenamtlich), Verwaltungsarbeit: ca. 5 Std. in der Woche, fachliche Leitung: ca. 32 Std. in der Woche, Turnhallennutzung: 14 Std. in der Woche, Freibadnutzung: .4 Std. in der Woche. Bei der Nikolausfeier erhält Schülerin Doris Schuster die Mehrkampfnadel in Gold. Rückblick: Dieter Hanske erringt beim Kinderturnfest in Winningen den erste Platz, die Jugendturner Winfried Dietz den zweiten und Karl Reith den Sieg beim Gauturnfest. Die Vereinsriege wird beim Gauturnfest in Urbar mit der Note „Sehr gut“ als Sieger bewertet. Erstmals gibt es 1960 wieder einen Maskenball im Vereinslokal. Die Gemeinsamkeit wird gefördert durch Altentreffen, Kegelabende, Wanderungen und Ausflüge in die Umgebung.
Im Mai 1960 findet die „Goetz-Wanderung“ am Christi-Himmelfahrts-Tag mit Schnitzeljagd statt, im Juli gibt es ein Sommerfest des TV Sayn mit Schiess- und Wurfbude, Eierlaufen und Mohrenkopfessen, zudem Vorführungen der Jugend- und Altersriege, ab 20 Uhr spielt die Band „Roxi Duo“ auf. Beim Deutschen Vereinsturnen des Turnverbandes Mittelrhein e.V. gibt es die Note „Sehr gut“ für Sayn. Im September findet das Bergfest des Rhein-Mosel-Gau im Stadion Oberwerth statt. Auszeichnungen mit dem Siegeslorbeer: Schülerinnen der Klasse A: Hannelore Holt 3. Platz, Helene Winter 3. Platz, Anke Störmer 14. Platz / Schüler A: Hans Henn 19. Platz, Rüdiger Hansen 24. Platz, Schüler B: Horst Thewalt 22. Platz, Rolf Barthel 36. Platz und Dieter Görgen 48. Platz / Jugend A: Ernst Eschment 4. Platz, Männer: Josef Meuer ist Sieger, Paul Thewald erringt den 3. Platz. Außerdem beschliesst der Vorstand, den Weg von der Abtei zum „Spetzje“ in Ordnung zu bringen mit dem Aufgang „Hollersch Breggelch“ Es wird überlegt, das Gauturnfest 1961 nach Sayn zu holen. Im Februar 1961 wird eine neue Fahne für den TV Sayn bestellt und der Maskenball steht auf dem Programm. Am 09.Juli beim Gauturnfest in Sayn erhalten die Turner die Auszeichnung „Sehr gut“ im Deutschen Vereinsturnen. Die Mitgliederzahl steigt 1962 sprunghaft an. Ehrungen von verdienten Turnern: P. Merl, Klein, Saxer, Fischer, Greve, F. Böckling mit der Ehrenmitgliedschaft und Ehrennadel. Ehrenbriefe des DTB werden an Turner Rudisch und Greve vergeben. Der Vorsitzende Johann Nett gibt nach 38 Jahren sein Vorstandsamt 1963 ab an Josef Böckling, Nett wird einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt Im April finden die Gaujugendbestenkämpfe in Bendorf statt, der TV Sayn siegt im Mannschaftskampf der Klasse C Jugendturner. Beim Deutschen Turnfest in Essen beteiligen sich sechzehn Sayner Turner, die Vereinsriege erhielt die Note „Sehr gut“ - die Vorbereitungen leitete wie in den Vorjahren Oberturnwart Paul Thewald. Zur Jahreshauptversammlung am 25.Januar 1964 im Vereinslokal „Gräflicher Weingarten“, begrüsst der erste Vorsitzende Josef Böckling das älteste Mitglied Peter Merl mit 94 Jahren. Im laufenden Jahr nimmt der Verein an der 100-Jahr-Feier des Rhein-Mosel-Gaus teil, es können sportliche Höhepukte erreicht werden, so im Juli die Bewertung „Sehr gut“ in der Sparte „Vereinsturnen“ beim Gau-Turnfest in Rhens: die Sayner Turner bringen dreizehn hervorragende Plazierungen mit nach Hause. Im Leichtathletik-Dreikampf der Altersturner wird Erich Gey Fünfter, im Neunkampf der Turnerinnen Helga Hilgers Siegerin, Max Irl wird Dritter im Turnsechskampf, Rüdiger Hansen belegt Platz 4 im Geräte-Achtkampf der Jugendturner, den ersten Platz erringt Ernst Gey im Leichtathletik-Dreikampf der Jugendturner. Horst Thewald wird Erster. Im Geräte-Fünfkampf der Jugendlichen, Kurt Henn 5., Fritz Cornely 10, Rolf Barthel 19. und Dieter Görgen 20. Bei den Schülern wird Alexander Kalb Fünfter. Im Geräte-Fünfkampf wird H.J. Schneider Siebter und Lene Wagner erringt Platz 17 bei den Schülerinnen. Ein Gaualterstreffen in Sayn findet im Oktober statt. Nach dem Treffen an der Turnhalle in Sayn geht es mit klingendem Spiel des Spielmannszuges Sayn durch die Strassen Alt-Sayns zur Totenehrung auf den Friedhof mit anschliessender Feier im vollbesetzten Saal „Hardy“. Der Gauvertreter Karl Schön zeichnet Turnbruder Karl Nett mit der goldenen Ehrennadel des Deutschen Turnerbundes aus und der Ehrenvorsitzende des TV Sayn, Johann Nett ernennt im Auftrag des Vorstandes die Turnerbrüder Pauli und Dämgen zu Ehrenmitgliedern. In 1965 nehmen 80 „kleine Turner“ am Gaukinderturnfest im Stadion Koblenz-Oberwerth teil, beim fünften Mittelrheinischen Turnfest in Bad Kreuznach ist der TV ebenso vertreten wie beim Schülervergleichsturnen gegen den TV 1878 Vallendar.
Else Thewald übernimmt im Juli die Leitung der Frauenabteilung von Christa Hoffmeier. Im gleichen Monat kann ein Spannreck erworben werden. Im Jubiläumsjahr 1966 zählt der Turnverein 125 Mitglieder. Hundert Kinder nehmen am Gaukinderturnfest in Koblenz teil unter Leitung der Kinderturnwartin Karin Caspari, dem Kinderturnwart Josef Böckling und dem Oberturnwart Paul Thewald. Der langjährige Turnwart Willi Rudisch wird im Februar zum Ehren-Mitglied des Turnverein Sayn 1876 e.V. ernannt. Vom 8.-10.September 1966 startet die 90-Jahr-Feier des Vereins. Samstag abends gibt es einen Kommers im Gasthaus „Gräflicher Weingarten“ unter dem Protektorat von Karl Schön. Sonntags folgt ein Festumzug zur Festwiese auf der „Bleiche“ mit Fahnenaufmarsch und anschliessendem „Bunten Rasen“. Anlässlich der Feierlichkeiten erhalten Anton Becker, Emil Dämgen, Josef Geißler, K.H. Hildebrand, Jacob Krupp, Karl Nett, Anna Ferber, Paul Thewald, Franz Lenzen, Reinhard Thielmann, Peter Siebert, Eberhard Berhausen, Josef Saxer, Karl Schön, Gau-Ehrenoberturnwart Heinrich Wulff, Gau-Geschäftsführer Heinrich Hold und Gau-Kulturwart Jacob Busch die Vereinsnadel in Gold, mit Silber werden Johann Hammes, Paul Maxein, Karl Pauli, Maria Wagner, Josef Böckling ausgezeichnet. Gauehrenbriefe erhalten Josef Geißler , Karl Nett, Willi Thewald, Reinhard Thielmann und Josef Böckling.
Beim Bundesalterstreffen in Stuttgart gehen die Sayner 1967 als stärkster Vertreter im Rhein-Mosel-Gau hervor. Johann Nett verstirbt als langjähriger Vorsitzender und Unterstützer des Vereines. Am Deutschen Turnfest in Berlin vom 27.Mai bis 3.Juni 1968 nehmen 21 Turner und Turnerinnen teil. 1968 gibt es im Kassenbuch eine Quittung über DM 10 als „Anerkennung für die Sicherstellung des Schleuderballs aus dem Hochwasser führenden Saynbachs beim Gaualterstreffen für Reiner Thewald und Alexander Kalb“, quittiert vom Kassierer Nett, gegengezeichnet vom Vorsitzenden. Im Dezember kommt wieder der Nikolaus zu den Turnerkindern, es wird gleichzeitig das zehnjährige Bestehen der Sayner Turnhalle gefeiert - als Gäste sind Bürgermeister Schön, Altbürgermeister Bauer, die Beigeordneten Trennheuser und Geißler anwesend und Altersturner Karl Reuter, der zur ersten Turnfestriege 1928 in Köln gehörte. Karl Schön lobt das Engagement seines Vorgängers Bauer und der Familie Paul Thewald, der es zu verdanken ist, dass die Halle nach 10 Jahren noch immer in vorbildlichem Zustand ist.
Eine Bestandserhebung weist 1968 aus: Vorsitzender: Josef Böckling, Schriftführer: Fritz Knefels, Kassenwart: Karl Nett, Jugendleiter: Josef Böckling, Oberturnwart: Paul Thewald, Kinderturnwärtin: Karin Caspari, Vereinslokal: Gräflicher Weingarten, Übungsleiter: 5, davon 3 mit LSB-Lizenz, monatlicher Beitrag: für Schüler bis 14 Jahre DM 0,50, für Jugendliche bis 18 Jahre DM 0,50, für Erwachsene DM 1,50, Alte Herren: 30 Mitglieder, Hausfrauenriege: 24 Mitglieder, Kinderriegen: 99 Mitglieder. Im Rahmen des Gaualterstreffen im Oktober wird der Gauehrenbrief an Helmut Schumacher verliehen. Er ist von Jugend an ein aktives Mitglied im Turnverein und hat mit dem Verein unzählige Wettkämpfe besucht, er war Wettkämpfer und Sieger bei mehreren Deutschen Turnfesten und Bundesalterstreffen. Besonders um den Aufbau einer Jedermannriege hat Schumacher sich verdient gemacht. 1969 startet die Kampagne „Gesunderhaltung des Volkes“, die Zeit der Volkswanderungen und des Volkslaufens beginnt, der TV Sayn richtet nun jährlich einen Volkswandertag aus. Die „Gymnastrada in Basel“ ist ein internationales Gymnastiksportfest, an dem alle Weltturnländer teilnehmen. Wer hier zugelassen wird, muss wirklich zu den Besten gehören. Horst Thewalt aus Bendorf Sayn vertritt den TV Sayn und die Stadt Bendorf. Das Kunstturnen etabliert sich besonders in den Jahren 1968-70 für die Jugend, die Altersabteilung betreibt Sport allgemeinerer Art. Sayn gehört zu den ersten Vereinen im Rhein-Mosel-Gau, die Jugendwettkämpfe anregen, es gibt eine Leistungssteigerung in der Sonderklasse Jungen und Mädchen. Im Mai 1970 vergnügt man sich beim Frühlingsfest auf der Pfadfinderwiese im Brexbachtal. Im Oktober startet Sayn beim Internationalen Oberlahnsteiner Volkslauf. Die Bronzemedaille im Wandern erhalten Paul Klameth, Steffi Klameth, Else Thewald, Luise Schmalhausen, Christine Franken, Peter Franken, Anni Pülske, Elfriede Bleidt und Renate Grün. In der Rubrik Volkslauf (10 km) erhält Erich Wenner die Medaille in Silber. Im 10-km-Gehen werden Reinhard Thielmann, Willi Schmalhausen, Helmut Schumacher, Roland Caspari, Fritz Knefels, Johann Iring, Jürgen Grün und Erich Gey ebenfalls mit der Silbermedaille bzw. der Silbermedaille mit Goldrand ausgezeichnet. An der Nikolausfeier in der Turnhalle nehmen Bürgermeister Karl Schön, 1. Beigeordneter und Sportausschußvorsitzender Dieter Trennheuser, Pater Madauß, Gaugeschäftsführer Holt und Gaukulturwart Busch teil. Der Bürgermeister lobt die Sayner, dass sie ihre Heimatstadt so oft und so würdig vertreten. Für den hervorragenden Zustand der Turnhalle dankt er besonders Else Thewalt, dem Verein dankt er mit Vorsitzenden Josef Böckling, dem Oberturnwart Paul Thewalt, den Turnwarten und Bettina Gelhard für die Betreuung der Kleinen. Gaugeschäftsführer Holt überreicht im Auftrage des Rhein-Mosel-Gau dem bewährten Sayner Turner Franz Lenzen den Gau-Ehrenbrief für seine besonderen Verdienste. 1971 ist das Jahr des Rücktritt von Oberturnwart Paul Thewald, er zieht fast alle Vorstandsmitglieder nach sich. Es gibt eine ausserordentliche Generalversammlung, Hermann Wahl wird zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der Turnbetrieb wird aufrecht erhalten. Neuer Oberturnwart wird Josef Böckling, sein Vorgänger wird „Ehrenoberturnwart auf Lebenszeit“ ernannt für seine Verdienste, vor allem auch im kunstturnerischen Bereich. 1972 nimmt der TV Sayn wieder rege an Wettkämpfen teil, Peter Siebert wird Ehrenmitglied. Das Deutsche Turnfest in Stuttgart gehört ein Jahr später zu den sportlichen Höhepunkten des Vereines. Die Stadt Bendorf stellt den Sayner Vereinen die neue Sportanlage hinter dem Schwimmbad zur Verfügung. Paul Thewald verstirbt, jährlich findet auf dem neuen Leichtathlektikplatz nun das „Paul-Thewald-Gedächtnissportfest“ statt.
Bei den Neuwahlen des Vorstandes 1974 wird Peter Franken neuer Vorsitzender. Der erste Volkswandertag „Rund um Sayn“ mit Strecken von 5, 10 und 20 km wird veranstaltet. Im Mai 1976 feiert der Verein das 100jährige Jubiläum. Nach dem Tod von Peter Franken wird Peter Neuzerling zum 1. Vorsitzenden gewählt. 1978 nimmt der TV Sayn am Deutschen Turnfest in Hannover teil. Die ersten Gaurundenwettkämpfe des Rhein-Mosel-Gau werden in der Stadthalle Weißenthurm ausgetragen. Der TV Sayn ist mit zwei Mannschaften am Start, die von Josef Böckling und Helga Zänkert trainiert werden. In der Gauliga A wird der vierte Platz, in der Gauliga C der dritte Platz erreicht. Ebenso geht ein Wanderpokal mit nach Sayn. 1979 beteiligt sich der Verein an der Ausrichtung des ersten Burgen- und Parkfestes im Schlosspark. Im Juli 1982 gibt es das 9. Paul-Thewald-Gedächtnissportfest mit 162 Teilnehmern aus 16 Vereinen. Ende Juni nehmen die Sayner Sportler am Deutschen Turnfest in Frankfurt/Main teil mit zwei Turnerinnen und neun Turnern. Besonders hervorzuheben ist Oliver Zänkert mit dem 40. Platz unter 1127 Teilnehmern. Altersturner Erich Wenner geht als 58. unter 229 Teilnehmern und Alex Kalb als 100. unter 964 Teilnehmern hervor. Im Juli 1983 wird anläßlich des zehnten Paul-Thewald-Gedächtnissportfests zum ersten Mal der Wanderpokal „Sääner Baweslääwer“ (in Form eines Fußes) ausgelobt: erster Platz der Damen: TV Sayn, erster Platz der Herren: Karnevalsgesellschaft 1937 Sayn. Oberturnwart ist in diesem Jahr Josef Böckling, assistiert von Volker Gelhard. Beim Mädchenturnen ist Helga Zänkert Leiterin, unter Mithilfe ihrer Tochter Heike. Den allgemeinen Turnbetrieb leitet Karin Biskubek und die stärkste Abteilung bildet die „Frauengymnastik“ unter Leitung von Felicitas Weingarten, für das Männerturnen zeichnet Übungsleiter Alex Kalb verantwortlich. Beim Gauturnfest auf dem Asterstein wird Ernst Gey Gauturnfest-Doppelmeister. Bei einem zünftigen Grillabend nach der Jahresabschlußwanderung im Oktober 1983 ins Brexbachal werden Klaus Gelhard und Helmut Thoss mit dem Sportabzeichen in Gold ausgezeichnet, das Abzeichen in Silber geht an Alex Kalb und Wolfgang Ufer, das Jugendsportabzeichen an Guido Dohr und Michael Kalb. Bei der Nikolausfeier in der Mehrzweckhalle wird Emil Dämgen zum Ehrenmitglied ernannt, er gehört seit 63 Jahren dem Verein an. Die Jahreshauptversammlung im Januar 1984 ergibt folgende Vorstandsbesetzung: erster Vorsitzender Peter Neuzerling, zweiter Vorsitzender Alex Kalb, Geschäftsführer Ernst Gey, Kassenwart Bernd Pohlmann, Oberturnwart Josef Böckling, Hausfrauenwartin Felicitas Weingarten, Leichtathletikwart Ernst Gey, Kinder- und Jungendwartin Helga Zänkert, Kinderturnwart Josef Böckling, Jedermannturnwart Alex Kalb, Wanderwart Paul Klameth und Zeugwart Erich Wenner. Im Februar spielen „Ali und Klaus“ zum zünftigen Jahresabschlußball im „Lindenhof“ auf. Am 30. Gau-Kinderturnfest des Rhein-Mosel-Gaus im Juni 1984 nehmen die Sayner seit eben diesen dreissig Jahren teil unter Leitung des Kinderturnwartes Josef Böckling. Diesmal sind 40 Kindern aus Sayn am Start, in der Abteilung „weibliche Jugend C-Sonderklasse“ siegt Ilona Reichelt. Einen Monat später beim Gau-Turnfest in Pfaffendorf siegen Johann Iring und Ernst Gey, sie werden Gauturnfestmeister.
Beim elften Paul-Thewald-Gedächtnissportfest siegen beim Jux-Wettkampf die Damen des TV Sayn und die Herren der Karnevalsgesellschaft Sayn. Die Jedermannabteilung spielt im September gegen die Gewichtheberstaffel des TV Engers und gewinnt mit 6:2 (3:0). Im Oktober, zum Beginn der Hallensaison, bietet Übungsleiter Alex Kalb für Herren von 16-70 Jahre unter dem Motto „Kräfte steigern und erhalten“ neben Gymnastik auch ein Zirkeltraining mit Hanteltraining, Medizinballwurf, Seilspringen, Streckübungen an der Sprossenwand und vielem mehr an, um den Puls auf 130 und mehr zu steigern. Bei der alljährlichen Nikolausfeier in der Mehrzweckhalle wird Erich Wenner zum Ehrenmitglied ernannt, die silberne Vereinsnadel erhalten Günther Vater und Helmut Gräf.
Bei der Kampfrichterprüfungsabnahme des Turngau Rhein-Mosel 1985 erhalten Klaus Gelhard, Volker Gelhard, Alex Kalb und Bernd Pohlmann die Eignung zum Kampfrichter. Am Kinderturnfest im Juni des Rhein-Mosel-Gau nimmt der Sayner Turnverein mit fünfzig Aktiven teil. Insgesamt sind 34 Vereine mit 1300 Aktiven am Start. Die Vorbereitungen stehen unter der Leitung von Helga Zänkert, Heike Zänkert, Heike Knopp, Volker Gelhard und Josef Böckling. In der Abteilung weibliche Jugend E erreichte Ilona Reichelt den ersten Platz.
Rechtzeitig zum 12. Paul-Thewald-Gedächtnissportfest im August wird eine neue Brücke über den Saynbach zwischen Fußballplatz und Sportgelände gebaut, die alte Holzkonstruktion ist nicht mehr stabil genug. Am 05.03.1986 verstirbt ein verdienter Mann im TV Sayn: Josef Böckling, langjähriger erster Vorsitzender, Oberturnwart und Trainer. Im Juni erhält Erich Wenner, 71 Jahre jung, sein 20. Goldenes Sportabzeichen. Mit 22 Wettkämpfern ist man beim dritten Leichtathletiksportfest des Winninger TV mit erfolgreicher Punktung im Schleuderballwerfen im September am Start. Am 15.11.1986 ist Jahreshauptversammlung im „Park-Hotel“. Vorsitzender bleibt Peter Neuzerling, sein Stellvertreter Alex Kalb, Geschäftsführer Ernst Gey, Kassenwart Bernd Pohlmann, Hausfrauenwartin Felicitas Weingarten, Jugendturnwartin Helga Zänkert, Übungsleiter Volker Gelhard, Beisitzer Werner Schwertfeger und Uli Kalb, Wanderwart Paul Klameth, Zeugwart Klaus Gelhard und Kassenprüfer Klaus Borsch und Rudolf Fischer. Das Deutsche Turnfest im Mai 1988 in Berlin bringt wieder eine besondere Plazierung von Oliver Zänkert hervor, der unter 3230 Turnern Rang 34 belegt. Heike Zänkert wird 219. unter 5662 gemeldeten Turnerinnen in ihrer Disziplin. Im Rahmen der Nikolausfeier erhält Bernd Pohlmann die silberne Ehrennadel des Vereins. Das Sportfest heißt 1988 nun „Paul-Thewald-Sportfest“, acht Vereine mit 82 Wettkämpfern sind am Start. Beim Gaurundenwettkampf im weiblichen Kunstturnen in Vallendar nehmen insgesamt 25 Mannschaften teil. Die Sayner gewinnen den Titel „Gaumannschaftmeister der                    F-Klasse des Rhein-Mosel-Gaus 1988“ für die Sayner (Tina Schumacher,                   Judith Renner, Nicole Eschment, Daniela Müller, Tatjana Kroll und Diana Getmano), die D-Mannschaft (Susanne Schabow, Birgit Schabow,                    Stefanie Engels, Jessica Renner, Ilona Reichelt, Ilka Gurkau) erringt Platz 5 und die A/B-Mannschaft (Alexandra Sayn-Wittgenstein-Sayn, Heike Müller, Heike Danne) trotz stärkster Konkurrenz den 4. Platz.
Die Nikolausfeier 1989 wird genutzt, Verdiente des TV zu ehren. Käthe Lang, Marianne Schumacher, Anni Pülske, Helga Zänkert erhalten die Goldene Ehrennadel, die silberne Ehrennadel wird an Hermann Wahl verliehen. 1990 nimmt der TV am Deutschen Turnfest in Bochum/Dortmund teil mit anschließendem Empfang im „Lindenhof“ und großer Feier. Für das „Kinderturnen“ wirbt der Verein um Nachwuchs im Alter von fünf bis 16 Jahren. Für die Mädchen ist Kinderturnwartin und Übungsleiterin Helga Zänkert, für die Jungen Übungsleiter Volker Gelhard zuständig. Seit 25 Jahren betreuen die Aktiven des TV Sayn im Jahr 1991 den Patenweg vom „Krutscheweiher zur Johannabrücke“.
Die silberne Vereinsnadel erhalten 1992 Hajo Stuhlträger und Manfred Reiß, der Gaueehrenbrief geht an Anni Kalb, Anni Pülske, Käthe Lang und Elfriede Hanske, bei der Jahrsabschlußfeier im „Lindenhof“ Anfang 1993 wird der ehemalige erste Vorsitzende Hermann Wahl mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. Das erste Zeltlager wird 1993 für die Turnerkinder im Brexbachtal ausgerichtet. Das 17. Paul-Thewald-Sportfest mit „Sääner-Baweslääwer-Jux-Pokal“ findet 1994 erstmals in der Mehrzweckhalle statt. Alex Kalb und Josef Maiberger gründen die Radsportabteilung und führen mehrere Familienfahrten durch.
Margit Majewski eröffnet eine „Mutter-und-Kind-Turnabteilung“. Weiter nimmt der TV Sayn am Deutschen Turnfest in Hamburg teil und mit einem Bierbrunnen engagiert sich der Turnverein bei der ersten autofreien Veranstaltung von „Jedem Sayn Tal“. Maria Dämgen wird Ehrenmitglied, den Gau-Ehrenbrief erhalten Alex Kalb, Bernd Pohlmann und Ernst Gey. Die goldene Vereinsnadel wird an Elfriede Bleidt, Maria Dämgen und Anni Kalb verliehen. Beim 22. Paul-Thewald-Sportfest 1995 gibt es letztmalig den „Sääner-Jux-Pokal“ für die Vereine. Alex Kalb, Ernst Gey und Siegfried Herrmann werden 1995 mit der goldenen Vereinsnadel ausgezeichnet, die silberne Vereinsnadel erhalten Werner Schwertfeger, Karin Scholtyssek, Gisela Seeger und Käthe-Liese Hennemann. Im Folgejahr gibt es die erste Rad-Touristikfahrt „Schönes Sayntal“. Das 23. Paul-Thewald-Sportfest fällt zusammen mit dem 9. Gauwandertag des Turngau Rhein-Mosel. Die Radsportabteilung des TV Sayn holt die französischen Radsportler mit dem Fahrrad in Dieblich/Mosel ab - nach deren Anfahrt nach über 800 km im Rahmen „10 Jahre Städtepartnerschaft Bendorf-Yzeure“. Es folgt die gemeinsame Fahrt nach Bendorf in die Festhalle. 1997 tritt der Verein dem „Stadtjugendring Bendorf“ bei. Beim Deutschen Turnfest 1998 in München sind die Sayner wieder vertreten. 1999 muss das Paul-Thewald-Sportfest wegen des schlechten Zustands der Sportanlagen ausfallen. Der Turnverein nimmt in den vergangenen Jahren ausserdem regelmässig am Ostereierschiessen des Schützenvereines im Brexbachtal teil und bereichert seit Jahren die Karnevalsumzüge in Sayn, hilft bei Vereinsfesten und unternimmt „Herbst-Familien-Wanderungen“ ins Waldheim im Sayntal.
 
Quellen:
- Heimatarchiv Sayn Peter Siebenmorgen mit Aufzeichnungen von Franz-Josef Nieth +, Sayn und Aufzeichnungen von Fritz Bode +, Sayn
- Quellenstudium der Bendorfer Zeitung (derzeit im Stadtmuseum Bendorf; 2 u. 3/2000)
- Festschrift zur 50-Jahrfeier des Turn-Vereins Sayn e.V. 1926, Chronik von Hermann Kemp
- Festschrift 80 Jahre Sayner Turnverein 1956, Chronik von Hermann Kemp
- Festschrift 100 Jahre TV Sayn 1976, Chronik & Rückblick von Peter Neuzerling
- zehnmonatiges Quellenstudium, Auswertung und Vergleich alter Vereinsunterlagen
 
Diese Chronik kann nur einen kurzen Abriss der Vereinsgeschichte geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für Ergänzungen ist der Autor jederzeit dankbar.